Der Schlaue Raum Blog

Edgy findet ein verirrtes Osterei

Egdy lauschte dem monotonen Summer der Maschinen in der Fabrikhalle. Überall herrschte rege Betriebsamkeit, seit er zum Herzstück der Digitalen Fabrik geworden ist und Weihnachten gerettet hatte.

Nun stand Ostern kurz vor der Tür. Überall wurden Ostereier und Spielzeug produziert, jeder Roboter wusste, was seine Aufgabe war, alles funktionierte. Reibungslos wie ein geöltes Zahnrad.

Edgy fuhr gemächlich durch die Fabrikhalle, als ihm plötzlich etwas auffiel: Mitten in der Halle, unbeachtet von allen, entdeckte er ein buntes Osterei.

Sauber verpackt, unbeschädigt und völlig am falschen Ort!

Warum ist das hier?, fragte Edgy sich und fuhr näher an das Ei heran. Seine großen Augen musterten das Osterei eingehend, und Edgy konzentriert sich auf die zentrale Verbindung der Digitalen Fabrik tief in seinen Schaltkreisen.

Er aktiviert das Traceability-Modul der Qualitätssicherung und macht das Ei ausfindig. Es gab keine Warnung, keinen Alarm, keinen Fehlerstatus.
Alles an diesem Ei ist korrekt, dachte Edgy und ein frustrierter Ton entglitt ihm. Das ergab keinen Sinn. Edgy hob das Ei hoch und fuhr zu einer Station, um es genauer zu analysieren.

Er legte das Ei dorthin, und auf den Bildschirmen über ihm erschienen alle Informationen zum Ei.

Edgy erkannte die Materialherkunft des Ostereis, konnte seine Produktionsstationen nachvollziehen, ebenso alle beteiligten Maschinen. Alle Daten waren da, aber …
„Moment“, murmelte Edgy vor sich hin und öffnete weitere Daten, schaute ganz genau hin und erkannte: Die Daten waren vorhanden, aber sie waren nicht vollständig miteinander verknüpft. Lücken, es gab überall Lücken im Produktionsprozess. Aber nicht die Programme oder die Software war daran schuld, sondern …

„Jemand hat manuell in den Produktionsprozess eingegriffen!“, rief Edgy und Empörung machte sich in seinen Schaltkreisen breit, fuhr durch ihn hindurch wie ein nicht gut gelüfteter Abluftschlitz.

Das war ein neues Gefühl für Edgy. Denn er war nicht daran gewöhnt, dass die Prozesse nicht liefen, wie sie sollten. Er war das Herz der Digitalen Fabrik, er hatte alles im Blick und nun war ihm ein Detail in der Produktion entgangen!

Edgy griff erneut nach dem Ei und fuhr hektisch durch die Produktionshalle, versuchte gleichzeitig aber seine Sinne zu schärfen, die Verbindungen innerhalb seiner Schaltkreise zu analysieren. Er musste den Verursacher finden, lauschte dem monotonen Summen der Fabrik, versuchte eine Anomalie ausfindig zu machen.

Und da! Plötzlich hörte Edgy ein Geräusch, das nicht hierhergehörte, das nicht mit den anderen Robotern im Gleichklang war. Ein geschäftiges Gemurmel.

Edgy folgte dem Geräusch und gelangte in den Raum, in dem die Ostereier kontrolliert wurden.
Dort stand ein winziger Roboter, der eifrig von Laufband zu Laufband fuhr und … Ostereier davon wegnahm und sie so dem Produktionsverlauf und dem Nachverfolgbarkeitsmodul entzog!

„Was machst du da?“, fragte Edgy und fuhr zu dem kleinen Roboter und legte das Osterei, welches er mitgebracht hatte, in der Nähe des Laufbands ab.

„Oh … hallo.“ Der Roboter blickte Edgy ernst an, seine Augen wirkten riesig im Vergleich zu seinem kleinen Körper. „Ich rette gute Ostereier“, sprach er weiter.

„Du rettest sie?“, fragte Edgy und schüttelte verwirrt den Kopf.

Es mussten keine Eier gerettet werden, das System kümmerte sich von allein darum, die Eier zu sortieren und sie in den Produktionskreislauf zu integrieren.

„Warum versuchst du die Eier zu retten?“, fragte Edgy und musterte den kleinen Roboter eingehend. Er war so winzig, geradezu unschuldig und Edgys Empörung verflog.

„Weil es doch gute Eier sind.“ Der kleine Roboter deutete auf die vielen Osterei. „Ausschuss ist schlecht für die Produktion. Gute Produkte müssen bleiben, wenn sie erhöhen die Produktivität.“

Das ergab … Sinn. Auf eine merkwürdige Art und Weise hatte der Knirps von Roboter, der definitiv noch nicht lange hier war, Recht. Aber …

„Damit greifst du dennoch in die Produktion ein. Ist dir das bewusst?“

Es dauerte einige Zeit, bis der kleine Roboter antwortete. „Oh“, murmelte er und ein trauriger piepsender Ton entglitt ihm.

Edgy stieß einen Seufzer aus. „Du entnimmst das Osterei aus dem Zyklus“, erklärte er dem kleinen Roboter. „Damit überspringst du eine Prüfstation und, wie ich sehe …“ Edgy fuhr näher an die Bildschirme heran, welche alle Daten der Produktion zeigten. „Verknüpfst du Dokumente manuell, das sollte nicht geschehen.“

„Aber so ist das Osterei sicher!“, begehrte der kleine Roboter auf, „ihm passiert nichts und es kann benutzt werden, um die Kinder an Ostern glücklich zu machen.“ Der Kleine klang beinah empört, was Edgy ein Lachen entlockte.

„Das stimmt, aber du darfst trotzdem nicht einfach das Osterei aus dem Produktionsprozess entfernen. Damit hast du es zwar physisch gerettet, aber es ist digital verloren. Und wir brauchen die Daten des Ostereis, sonst kann es in der ganzen Produktion zu Problemen kommen und …“

Ein schriller Piepton erklang über ihren Köpfen, dann eine mechanische Stimme. „Produktionscharge für die Osterei wird abgeschlossen. Bitte vom Laufband zurücktreten. Nicht zuordbare Produkte werden dem Produktionskreislauf entnommen und automatisch zur Weiterproduktion und -verwertung gesperrt.“
Ein Timer begann über ihren Köpfen zu blicken und Edgy sah erneut zu dem kleinen Roboter. „Wie viele Eier hast du versucht zu retten?“, fragte er ruhig, obwohl ihm Böses schwante.

„Einige?“ Der kleine Roboter sah mit einem Mal gar nicht mehr so glücklich aus, denn er schien nun auch zu verstehen, was seine eigentlich so gut gemeinte Aktion bedeutete.

„Dann müssen wir uns beeilen!“ Edgy deutete auf den Timer, der über ihnen blickte, die Zeit tickte bedingungslos gegen sie. „Wenn die Rückverfolgbarkeit der Ostereier, die du „retten“ wolltest, nicht rechtzeitig wieder hergestellt wird, dann sind alle Eier endgültig verloren.“

„Was?“ Der kleine Roboter stieß einen verzweifelten Piepton aus. „Auch das schöne große Ei, welches du mitgebracht hast?“

Edgy wandte sich zum Laufband und wollte gerade nach dem großen Ei greifen, doch der kleine Roboter fuhr hektisch an ihm vorbei. Er wollte das Ei retten, doch dabei kam er gegen einige Knöpfe, die dafür sorgten, dass das Laufband sich schneller bewegte und das Ei sich darauf hin von ihnen entfernte, der Timer lief aus. Ein Greifarm senkte sich herab und Edgy, sowie der kleine Roboter konnten nur noch zusehen, wie das Ei hochgehoben wurde.

„Rückverfolgbarkeit des Produkts nicht festzustellen. Osterei wird dem Produktionsprozess entnommen“, sagte die mechanische Stimme. „Freigabe blockiert.“

„Nein!“ Der kleine Roboter schüttelte heftig den Kopf, er klang weinerlich und Edgy wusste, dass er jetzt besonnen reagieren musste.

Der Winzling hatte nur versucht, alles richtig zu machen. Doch die älteren Roboter hatten vermutlich nicht gut genug in alle Systeme und Regeln eingeführt.

„Was machen wir denn jetzt?“ Der Kleine sah Edgy an und seine großen Augen erinnerte Edgy an sich selbst.

Hatte er auch so traurig dreingeblickt? Damals, als die Fabrik noch kalt und dunkel gewesen war. Als auch er alle Hoffnung verloren hatte?

„Das Ei ist weg. Es ist nicht kaputt, aber nicht mehr nutzbar. Verstehst du, dass dein Eingreifen dazu geführt hat?“

Sein Gegenüber nickte. „Was kann ich machen, um dafür zu sorgen, dass das Ei wieder benutzt werden kann?“

„Komm mit.“ Gemeinsam fuhren sie aus der kleinen Halle hinaus in die große Fabrikhalle, in der es überall blinkte und piepte, denn alle Eier, die der Kleine dem Produktionskreislauf entnommen hatte, wurden nun mit Greifarmen fortgebracht.

Edgy hörte das empörte Summen und Brummen der anderen Roboter. Doch davon ließ er sich nicht beirren.

Er ging zur großen Station in der Halle, wo viele Bildschirme hingen und alle Stränge und Daten im System Edge.One zusammenliefen. Edgy verband sich mit dem Kreislauf, machte sich zunutze, dass er das Herz der Digitalen Fabrik war.

„Was machst du da?“, fragte der kleine Roboter.

„Wir können nicht beweisen, dass das Ei wirklich gut ist“, erklärte Edgy ihm und öffnete das zentrale Dokumentenmanagement. „Aber das müssen wir auch nicht. Wir müssen beweisen, wo das Ei und all die anderen, die du gerettet hast, es waren und was mit ihnen passiert ist. Dann erkennt das System von alleine, dass die Ostereier gut sind.“

„Ich verstehe! Ich will helfen.“

„In Ordnung. Rufe die digitalen Prüfpläne aller Eier auf, die du gerettet hast. Du hast dir ihre Nummer gemerkt, oder nicht?“

„Woher weißt du das?“, fragte der kleine Roboter und tat wie geheißen. Er rief alle Prüfpläne und Qualitätsworkflows auf, die mit den Ostereiern zu tun hatten, die er hatte retten wollen.

„Du bist Qualy, der neue Qualitätsroboter, der genau dafür eingestellt wurde, oder nicht?“

Qualy sah Edgy überrascht an. „Das stimmt! Das hast du dir gemerkt?“

„Ich kenne jeden Roboter, der hier arbeitet, ich habe den kompletten Zugriff auf die Fabrik. Mir entgeht nichts.“ Edgy zwinkerte ihm zu. „Und nun, sorg dafür, dass du die fehlenden Prüfpunkte, die deine Ostereier eigentlich hätten durchlaufen sollen, wieder rekonstruierst. Ich kümmere mich um die passenden Dokumente dazu.“
„Okay!“

Gemeinsam begannen sie mit der Arbeit, verknüpften alle Daten der Ostereier wieder miteinander und stellten in ruhiger Eintracht den Materialfluss wieder her. Alles wurde nun wieder nachvollziehbar für das System miteinander verbunden.

Edgy beobachtete den kleinen Qualy, wie er gewissenhaft seine Aufgabe erledigt

und gemeinsam sahen sie dabei zu, wie die Greifarme die ganzen Ostereier, die Qualy dem System entnommen hatte, zurückbrachten.

„Siehst du …“ Egdy zeigte auf die Eier, „nun ist die Rückverfolgbarkeit wiederhergestellt, die Qualitätsprüfung ist vollständig wieder dokumentiert und …“

„Status der Ostereier: Wieder freigegeben!“, sagte die mechanische Stimme über ihnen Köpfen und sie sahen nun endlich auch das große Osterei, welches Edgy in der Fabrik gefunden hatte.

Der kleine Roboter fuhr staunend dorthin und betrachtete das Ei freudig. „Es ist wieder da!“

„Nun hast du gelernt, dass man die Qualität der Produkte nicht mit der Abkürzung sie aus dem System zu nehmen, rettet. Sondern mit Transparenz im ganzen Prüfprozess“, sagte Edgy und fuhr zu dem Kleinen hin.

„Ja!“, rief Qualy, „nun kann das Osterei im Osternest bei den Kindern landen und alles ist wieder gut. Danke, ich habe viel durch dich gelernt, Edgy.“

„Dafür bin ich da, denn …“

„Du bist das Herz der Digitalen Fabrik“, beendete Qualy den Satz. „Das hast du toll gemacht.“

„Du ebenso, Qualy. Jetzt bist du bereit, als vollwertiger Qualitätsroboter hier in der Fabrik bei allem mitzuhelfen.“

„Das werde ich machen!“ Qualy nickte begeistert und fuhr summend davon.

Edgy schaut ihm erleichtert nach, eine Katastrophe verhindert zu haben und wusste, dass man mit der Digitalen Fabrik und Edge.One immer wusste, woher das Osterei kam und jedes Kind ein einwandfreies Ei in seinem Osternest finden würde.

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